Die Bedeutung von Laborbefunden
in der Rheumatologie

 

 

Gezielter Einsatz der verschiedenen Laborteste zur Diagnose, Verlaufskontrolle und Arzneimittelsicherheit.

Die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ergibt sich vordergründig aus einer ausführlichen Anamnese, dem klinischen Bild und dem Ergebnis einer Untersuchung. Sie wird durch Laborwerte unterstützt. Es gibt keinen Labortest, der als Suchtest zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer rheuma-tischen Erkrankung verwendet werden könnte. Laborwerte, die eine bestimmte Erkrankung eindeutig charakterisieren, fehlen.

Zur Unterscheidung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen erreicht man mit Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), dem C-reaktiven Protein (CRP) und dem Blutbild eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit. Spezielle Laboruntersuchungen sind bei Vorliegen eines klinischen Verdachts auf eine bestimmte rheumatische Erkrankung in weiterer Folge notwendig und auch zielführend.

 
Prim. Dr. Franz Mayrhofer

Leiter der SKA
Bad Schallerbach

 

Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit = BSG

Die BSG spiegelt eine Entzündungssituation im Körper wieder und stellt damit einen relativ unspezifischen Entzündungsmarker dar. Sie ist charakterisiert durch einen langsamen Anstieg (1 bis 2 Tage nach Beginn einer Entzündungsreaktion) und langer Abklingzeit (4 bis 6 Tage). Der obere Wert ist sowohl alters- als auch geschlechtsabhängig. Im Alter von über 50 Jahren gilt bei Männern 20 mm/Std und bei Frauen 30 mm/Std als obere Normalgrenze. Die BSG wird von vielen Faktoren beeinflusst. Eine Erhöhung der BSG wird durch alle akute Phaseproteine verursacht, zeigt aber auch unabhängig von Entzündungsreaktionen, z. B. bei Blutarmut oder erhöhten Blutfetten oder höherer Einschränkung der Nierenfunktionen, Abweichungen. In der Beurteilung chronisch-entzündlich-rheumatischer Erkrankungen ist die BSG trotz ihrer mangelnden Spezifität und der relativ aufwändigen Bestimmungsmethode (die Bestimmung erfolgt nicht automatisiert, ist also zeit- und personalaufwändig), unverändert eine der häufigst gemessenen Laborparameter. Die BSG ist der einzige Laborwert, der zur Beurteilung der Krankheitsaktivität bei chronischer Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) in das meistens verwendete Aktivitätsmaß (DAS-28: das ist ein Aktivitätsindex mit 28 beurteilten Gelenken) einbezogen wird und ist bei der Polymyalgia rheumatica oft der einzig abnorm erhöhte Laborwert.

Messung der BSG

 

C-reaktives Protein = CRP

Während einer Entzündungsreaktion kann es zu einem Anstieg der sogenannten akute Phasen-Proteine, von denen sich das C-reaktive Protein als Parameter durchgesetzt hat, kommen. Das CRP ist ebenfalls ein unspezifischer Marker, der auf Gewebeschädigung reagiert und dessen Anreicherung im Serum etwa 4 bis 6 Stunden nach einer erfolgten Gewebsschädigung anzusteigen beginnt. Das Maximum dieses Anstiegs erfolgt etwa 24 bis 48 Stunden, die Höhe des CRP stimmt gut mit der Größe der Gewebsschädigung überein. Da das CRP auf Veränderungen sehr rasch reagiert, kann auch ein Heilungsprozess durch Abfall der Höhe des CRP bei kurzfristiger Bestimmung gut dokumentiert werden.

Blutbild

Das Blutbild reagiert auf akute Entzündungen oder auf akute Schübe einer chronischen Entzündung häufig mit einem Anstieg der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und der Trombozyten (Blutplättchen). Chronische Entzündungsreaktionen führen zu einer Blutarmut mit typischen Zeichen in Bezug auf Mengenanteil Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), Hämatokrit (Zellenanteil des Blutes) und im Mikroskop sichtbarer Veränderungen der Erythrozyten (rote Blutkörperchen).

Autoantikörper

Chronisch entzündlich-rheumatische Erkrankungen werden häufig auch als sogenannte Autoimmunerkrankungen bezeichnet. Das Leitsymptom dieser Erkrankungen ist das Auftreten von Autoantikörpern (darunter versteht man die gegen körpereigene Bestandteile gerichtete Abwehr). Der am häufigsten bestimmte Autoantikörper ist der sogenannte Rheumafaktor.

Dieser Ausdruck ist an sich irreführend, da sich Rheumafaktoren, obwohl sich am häufigsten bei Patienten mit chronischer Polyarthritis finden, für das Vorliegen der Erkrankung nicht beweisend sind. Rheumafaktoren kommen auch bei anderen Erkrankungen vor, können begleitend bei schweren viralen Infekten auftreten und sind in niedriger Konzentration  mit zunehmenden Alter ebenfalls gehäuft erkennbar, ohne dass eine rheumatische Erkrankung zugrunde liegt.

Besondere Bedeutung haben Autoantikörper aber bei chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen (z. B. antinukleäre Antikörper), wo sie dazu beitragen, die verschiedenen Erkrankungen voneinander zu unterscheiden helfen.
Diese Laborbefunde werden aber üblicherweise nur am Anfang im Rahmen der Diagnostik bestimmt und im langfristigen Verlauf vom spezialisierten Rheumatologen zur Beobachtung der Krankheitsaktivität verwendet.

Harnsäure

Unter den rheumatischen Erkrankungen ist die Gelenkentzündung bei der Gicht vermutlich die am besten bekannte Erkrankung. Die Harnsäurekonzentration wird dementsprechend auch oft gemessen.

Ein erhöhter Harnsäurewert bestätigt aber noch nicht das Vorliegen einer akuten Gelenksgicht, sondern bedeutet vorerst nur das Vorliegen eines erhöhten Harnspiegels, dessen Behandlung von der klinischen Beurteilung des einzelnen Arztes abhängt. Der Nachweis der Gelenksgicht ist schlussendlich nur durch den Nachweis von Harnsäurekristallen im Mikroskop möglich, wenn man Gelenksflüssigkeit aus dem Gelenk gewinnt.

 

Zusammenfassung:

Laborwerte sind wertvolle Hilfsmittel in der Unterscheidung rheumatischer Erkrankungen und deren Verlaufsbeobachtung. Zur Unterscheidung zwischen entzündlich und nicht entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und zur Beurteilung der Krankheitsaktivität bei chronisch entzündlichen Prozessen werden überwiegend die Blutsenkungsgeschwindikgkeit (BSG), das C-reaktive Protein (CRP) und das Blutbild verwendet. Besonders wichtig ist aber auch, im Rahmen der Routinekontrollen zu erfassen, ob nicht eine unerwünschte Arzneimittelwirkung vorliegt, sodass neben Laborwerten, die die Entzündungsaktivität wiederspiegeln, auch die Funktion von Organsystemen (z. B. Leber- und Nierenfunktion) labormäßig kontolliert werden muss. 

 

 

 
Univ.Prof.DDr. Manfred Herold

Uni-Klinik Innsbruck

 

 
 Referenz-/Normalwerte

 Einheiten   Erklärung
 g/dl - Gramm  1 Gramm pro Deziliter (=100ml) 
 mg/dl - Milligramm  1 Tausendstel Gramm pro Deziliter 
 µg/dl - Mikrogramm  1 Millionstel Gramm pro Deziliter
 ng/ml - Nanogramm  1 Milliardstel Gramm pro Milliliter 
 mval/l -
 Milligrammäquivalent
 1 Tausendstel der Stoffmenge, die einem Referenzatom (Wasserstoff) gleichgesetzt ist, pro Liter 
 ml - Milliliter  1 Tausendstel Liter 
 µl - Mikroliter  1 Millionstel Liter 
 nl - Nanoliter  1 Milliardstel liter 
 pl - Pikoliter  1 Billiostel Liter 
 fl - Femtoliter  1 Billiardstel Liter 
 

 

 

Referenzbereiche der wichtigsten Werte bei Befunden

Wir bitten zu beachten, dass die folgenden Werte der Liste nur als Richtwerte zum erleichterten Verständnisses eines Blutbefundes dienen sollen. Abweichungen bei manchen Werten sind auch insofern möglich, wenn es sich z. B. um Kinder oder auch um ältere Menschen handelt. Manche Referenzbereiche sind auch methodenabhängig.
In der Regel sollten Sie Ihren Blutbefund mit dem Arzt besprechen.
 

 

rotes Blutbild      
 Erythrozyten Männer 

4.5 - 5.5 

Tera/l oder Millionen/µl 
  Frauen

4.0 - 5.0 

Tera/l oder Millionen/µl
 Hämoglobin Männer 

13 - 17 

g/dl = g% 
  Frauen 

12,5 - 15

g/dl = g% 
 Hämatokrit Männer 

40 - 54

Prozent % 
  Frauen 

 37 - 47

Prozent % 
weißes Blutbild       
 Leukozyten allgemein         4 - 10  Tausend/µl 
 Lymphozyten allgemein relativ       18 -45 % der Leukozyten
     oder absolut    1200 - 3500 Zellen/µl
Trombozyten allgemein      150 - 400 Tausend/µl
Blutsenkung Männer           < 8 mm nach 1Std
Frauen          < 11 mm nach 1 Std
Harnsäure allgemein          < 6,0 mg/dl
      oder          < 357 µmol/l
Rheumaserologie
CRP allgemein        0,0 - 0,5 mg/dl
      oder         0 - 5 mg/l
Rheumafaktor allgemein         0 - 14 IU/ml
CCP = cyclisch
citrulliniertes Peptid
nur ausschlag-
gebend
für die
chronische
Polyarthritis
bzw.
rheumatoide
Arthritis 
   

 CCP-Antikörper (mehr Info bitte anklicken)

Ein hochspezifischer neuer diagnostischer marker für die Diagnostik und die Verlaufsbeurteilung von Patienten mit einer beginnenden rheumatoiden Arthritis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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